Musik im Kontext von Konflikt und Flucht

Ein Forschung- und Ausstellungsprojekt am MMRC

 

Kurzbeschreibung:

 

Das digitale Ausstellungsprojekt „Musik im Kontext von Konflikt und Flucht“ (Music, Conflict and Forced Migration) untersucht und präsentiert Forschungsmaterial, das seit Anfang der 1990er Jahre an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) gesammelt wurde. Dabei wird die Rolle beleuchtet, die Musik im Leben von Menschen spielt, die aufgrund politischer Konflikte und Gewalt vertrieben wurden.

Grundlage des Projekts sind drei Fallstudien zu Zwangsmigration, die durch folgende Ereignisse ausgelöst wurden: den Krieg in Bosnien und Herzegowina (1992–1995) nach dem Zerfall Jugoslawiens, den syrischen Bürgerkrieg und den bewaffneten Konflikt im Zuge des Aufstands von 2011 sowie die jahrzehntelange politische Instabilität und die Kriege in Afghanistan. Es handelt sich um drei unterschiedliche Fallstudien aus spezifischen historischen, politischen und kulturellen Kontexten. Doch in allen Fällen spielte Musik eine wichtige Rolle. Sie war wichtig auf dem Weg, während des beschwerlichen und oft unmenschlichen Prozesses des Ankommens sowie nach der Ankunft, insbesondere bei der Bildung von Netzwerken in der Diaspora.

Die digitale Ausstellung stützt sich auf das umfangreiche Material, das in den letzten 35 Jahren im Archiv des Instituts für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie zusammengetragen wurde. Dazu gehören Fotografien, Video- und Tonaufnahmen, Konzertprogramme und Plakate. Um den Wandel der analytischen Perspektiven und die sich entwickelnden Forschungsfragen im Zusammenhang mit Musik in diesen Kontexten zu veranschaulichen, werden Publikationen und andere Quellen einbezogen. Von entscheidender Bedeutung ist, dass auch Personen, die selbst von diesen Konflikten betroffen waren, an dem Projekt beteiligt sind. Ihre Perspektiven werden dazu beitragen, das Archivmaterial zu reflektieren und in einen Kontext zu setzen.

Seit Anfang der 1990er Jahre ist die mdw eine Vorreiterin bei der Erweiterung des Forschungsspektrums der Ethnomusikologie, indem sie Communities berücksichtigt, die infolge von Krieg und Vertreibung nach Österreich kamen. Das Projekt reflektiert mehr als dreißig Jahre Forschung  und gewährleistet so die langfristige Sichtbarkeit der von Konflikten betroffenen Personen sowie des reichhaltigen musikalischen Materials, das dokumentiert wurde. Zudem bietet es einen Einblick in die Entwicklung der ethnomusikologischen Forschung während dieses Zeitraums.

 

Projektleitung: Ursula Hemetek und Malik Sharif

Projektteam: Benjy Fox-Rosen, Ioannis Christidis und Samo Zeichen (Projektassistenz)

Projektdauer: 01.07.2026–31.12.2027