Between Research and Activism: Futures of Music and Minority Studies
Ein Forschungsprojekt am MMRC
Projektbericht:
Das Projekt „Between Research and Activism: Futures of Music and Minority Studies“ beschäftigt sich mit der inhaltlichen Ausrichtung sowie der internationalen wissenschaftlichen Positionierung des Music and Minorities Research Centers (MMRC) ab 2026. Im Zentrum dieses Vorhabens stand die Konzeption und Durchführung eines mehrtägigen internationalen Symposiums an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw).
Das Symposium „Between Research and Activism: Futures of Music and Minority Studies“ fand vom 12. bis 14. Februar 2026 an der mdw statt. Es markierte den Beginn einer neuen, bedeutenden Phase in der Arbeit des MMRC, das 2019 gegründet und durch den an Ursula Hemetek verliehenen Wittgenstein-Preis ermöglicht wurde. Das Symposium fiel sowohl mit dem siebenjährigen Jubiläum des Zentrums als auch mit dem Abschluss seiner Wittgenstein-Förderperiode zusammen. Dies bot Gelegenheit, über die Entwicklung der Forschung zu Musik und Minderheiten am MMRC wie auch innerhalb der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft in den letzten Jahren zu reflektieren. Im Zentrum standen dabei aktuelle Herausforderungen sowie zukünftige Perspektiven des Forschungsfeldes und des Zentrums an der Schnittstelle von Wissenschaft, künstlerischer Praxis und gesellschaftlichem Engagement.
Die Forschung im Bereich Music and Minorities bewegt sich stets in einem gesellschaftlich und politisch geprägten Spannungsfeld, das von Fragen danach bestimmt ist, wessen Wissen produziert wird, mit wem, zu welchen Zwecken und unter welchen Bedingungen. Um mit diesen komplexen Anforderungen verantwortungsvoll umzugehen, hat das MMRC grundlegende Leitlinien entwickelt. Daran anknüpfend verfolgte das Symposium das Ziel, diese Ansätze gemeinsam weiterzudenken – geleitet von der zentralen Frage: Wie aktivistisch kann und wie aktivistisch sollte Forschung gegenwärtig sein, insbesondere im Hinblick auf globale Ungleichheiten und Gerechtigkeitsfragen?
Das Symposium schuf einen Raum, um sich auf vielfältige Weise mit diesen und damit verbundenen Fragen auseinanderzusetzen, wobei der Schwerpunkt auf partizipativen und interaktiven Formaten lag, die einen multidirektionalen Austausch förderten. Ein zentrales Anliegen war die Diversifizierung der Formate und ein Umdenken in Bezug auf konventionelle akademische Präsentationsformen, um Partizipation und Interaktion in den Vordergrund zu stellen. Darüber hinaus strebte das Symposium an, internationale wissenschaftliche Perspektiven im Bereich der Musik- und Minderheitenforschung – vertreten durch zahlreiche Mitwirkende aus dem MMRC-Netzwerk – in einen Dialog mit den lokalen wissenschaftlichen und aktivistischen Akteur*innen zu bringen.
Das Programm umfasste ein breites Spektrum an Formaten, darunter drei Paper Sessions, deren Beiträge aus einem internationalen Call for Papers hervorgingen, fünf Roundtables, ein Key Roundtable, eine interaktive „Fishbowl“-Session, zwei musikalische Beiträge, ein großes Konzert sowie eine Abschlussparty. Dieses sorgfältig kuratierte Symposium wurde durch die vielfältigen Expertisen, Erfahrungen und die Netzwerke des MMRC-Teams sowie seiner Kooperationspartner*innen ermöglicht, deren gemeinsame Bemühungen ein so vielfältiges und facettenreiches Symposium hervorgebracht haben.
Es konnte dadurch ein diverses und vielfältiges Programm realisiert werden, das insbesondere einen Fokus auf partizipative und interaktive Elemente zwischen Referent*innen, Diskussionsteilnehmer*innen und Publikum legte (Programmübersicht).
Zu den Teilnehmer*innen zählten Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Musiker*innen aus fünf Kontinenten, von Nachwuchsforscher*innen bis hin zu international renommierten Professor*innen auf diesem Gebiet. Insgesamt nahmen über 100 Personen vor Ort teil, zusätzlich zu einem internationalen Publikum, das per Livestream teilnehmen konnte. Die gesamte Veranstaltung kann online in der mdw-Mediathek angesehen werden, und es gibt einen Radio-Podcast mit der von der Initiative Minderheiten kuratierten Podiumsdiskussion auf „Radio Stimme“.
Das Symposium brachte eine Vielzahl von Ergebnissen, Erkenntnissen und Reflexionen hervor und eröffnete ein breites Spektrum an Standpunkten und Perspektiven. Eine zentrale Erkenntnis war, dass ein Großteil der Forschung in diesem Bereich bereits inhärent aktivistisch geprägt ist – und zugleich das Potenzial wie auch die Verantwortung hat, dies weiter auszubauen. Dies erfordert insbesondere eine verstärkte Zusammenarbeit mit den im Forschungsfeld involvierten Personen und Communities sowie eine kontinuierliche Reflexion und Weiterentwicklung der eigenen wissenschaftlichen Positioniertheit.
Darüber hinaus betonte das Symposium die Bedeutung von Vernetzung und Ideenaustausch jenseits traditioneller akademischer Formate und machte deutlich, dass nicht-akademische Akteur*innen wesentliche und bereichernde Beiträge zum wissenschaftlichen Diskurs leisten können, insbesondere im Bereich Musik und Minderheiten.
Eine weitere zentrale Einsicht betraf die Wahl der Formate und machte deutlich, dass interaktive und partizipative Formate nicht nur methodische, sondern auch politische Entscheidungen sind. Sie werfen grundlegende Fragen zur Inklusion in der Wissensproduktion auf: Wer wird einbezogen und addressiert, und wer nicht? In diesem Sinne wurden die Teilnehmenden ausdrücklich dazu eingeladen, während des gesamten Symposiums ihre Fragen, Kommentare und Perspektiven einzubringen – eine Einladung, die insbesondere in der Fishbowl-Diskussion besonders deutlich zum Tragen kam.
Auf diese Weise diente das Symposium nicht nur als feierlicher Abschluss einer Förderperiode, sondern auch als Ausgangspunkt für die weitere inhaltliche und strukturelle Entwicklung des MMRC. Es festigte und erweiterte zentrale Diskurse im Bereich der Musik- und Minderheitenforschung und eröffnete neue Perspektiven und Ansätze zur Auseinandersetzung mit relevanten Fragestellungen. Gleichzeitig wurden bestehende Netzwerke vertieft und neue Kooperationen initiiert. Insgesamt hat das Symposium seine Ziele erfolgreich erreicht und leistet einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung des Profils des MMRC in der internationalen Forschungslandschaft.
Special Collection
Die im Rahmen des Symposiums entstandenen Impulse – getragen von einer Vielzahl an Vorträgen, Roundtables und musikalischen Beiträgen – gaben den Anstoß, die dort angestoßenen Diskurse über die Veranstaltung hinaus weiterzuführen.
Daraus entstand die Idee einer Special Collection in der MMRC-Zeitschrift Music & Minorities mit dem Titel „Beyond Research and Activism: Reflections, Positions, and Considerations from the MMRC Symposium“. Die Beiträge werden in der Rubrik „Forum“ des Journals veröffentlicht, die einen Raum für Texte bietet, die sich jenseits der herkömmlichen Kategorien von peer-reviewed Artikel oder Rezensionen verorten, aber dennoch einen nachhaltigen Beitrag für das Forschungsfeld im Sinne der Zeitschrift leisten.
Die Teilnehmer*innen des Symposiums wurden eingeladen, ihre Sichtweisen, Eindrücke und Überlegungen in diese Publikation einzubringen. Ziel dieser Special Collection ist es, die durch das Symposium angestoßenen Denk- und Reflexionsprozesse weiterzuführen und die vielfältigen Perspektiven in schriftlicher Form zugänglich zu machen. Auf diese Weise wirkt das Symposium über die eigentliche Dauer der Veranstaltung hinaus: Es bietet Raum für eine weitere und vertiefte Auseinandersetzung mit zentralen Themen und deren Implikationen.
Projektleitung: Ursula Hemetek, Malik Sharif
Projektteam: Peter Lell, Samo Zeichen, Claudia Strate (bis März 2025)
Projektdauer: Oktober 2024 – April 2026
Finanzierung: FWF Österreichischer Wissenschaftsfonds Grant-DOI 10.55776/Z352
Unterstützt von der Stadt Wien Kulturabteilung MA7
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